Besonders aggressive Räumung von Klubgelände

Wir befinden uns im Jahre 2015 n. Chr. Ganz Berlin ist von geldhungrigen Investoren besetzt. Ganz Berlin? Nein! Ein von unbeugsamen Liebhabern der elektronischen Feierkultur hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Bis jetzt. Letzten Mittwoch kam es dann doch, nach langem Kampf, zur Zwangsräumung des beliebten Open-Air-Geländes in der Michaelkirchstraße. Und eins ist damit sicher, der Klub wird wohl nie auf ebay verkauft.

Es ist Mittwoch, der 4.11.2015, 9 Uhr früh. Die Betreiber des LichtPARKS, der Rampe und zuletzt auch DJ Jaxson vom Iwwiilländ haben versucht, das Gelände so lange wie möglich als Veranstaltungsort für elektronische Musik aufrechtzuerhalten. Dies besteht schon seit geraumer Zeit im absoluten Gegensatz zu den Plänen, die der Immobilienmogul und Investor Nicolas Berggruen mit dem schönen Spreegrundstück hatte. Erst gab es in 2012 Uneinigkeiten zwischen dem damaligen KaterHolzig und dem LichtPARK, die die Existenz des Geländes gefährdeten, dann aber beigelegt werden konnten. Ab Anfang 2014 versuchte dann Nicolas Berggruen den LichtPARK, später auch die RAMPE, zu räumen. In einigen Interviews äußerten sich Betreiber und Anwälte vom Lichtpark und meinten: „Irgendwie werde ihnen die Arbeit ziemlich leicht gemacht. Man habe damit gerechnet, dass man sich irgendwie mit Berggruen einigte oder dass man schnell verjagt werde“.

so wurde vor kurzem in der RAMPE noch gefeiert...
so wurde vor kurzem in der RAMPE noch gefeiert…

Offenbar machten die Anwälte von Berggruen einige Fehler und verklagten nicht alle Parteien, die Mitbesitz am Gelände ausübten, man hat die Betreiber vom Lichtpark nicht einmal dazu befragt. Wie auch immer, es dauerte ziemlich lange, bis eben zum letzten Mittwoch.  Ein Großaufgebot von Polizei, Gerichtsvollziehern, Sicherheitspersonal von Berggruen und seine Juristen begannen,  dass Gelände zu räumen und die Bauarbeiter machten sich sogleich daran, alles zu demontieren. Die besondere Brisanz: Der Klub Iiwwiiländ  ist zuletzt durch sein Verkaufsangebot bei ebay Kleinanzeigen in die Schlagzeilen geraten. Das Angebot erst für 25.000 EUR dann für 35.000 EUR brachte die virale Gerüchteküche in der Szene zum brodeln. Auch Berggruen und den Vollziehungsbeamten war das Iwwiiländ bekannt und sie vollzogen die Zwangsräumung ohne einen notwendigen Räumungstitel gegen Iwwiiländ bzw. seinen Betreiber.  pure fm wird natürlich auch Bergrruen bzw. sein Unternehmen dazu befragen. DJ Jaxson (IT IS WHAT IT IS** BERLIN) steht nun vor einem Scherbenhaufen bzw. Bretterhaufen. Ein Bagger zerstörte mutwillig alle Bretterbauten. Tatvorwürfe wie Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung u.ä. stehen zumindest im Raum. Jaxson erklärte, man habe ihm keine Gelegenheit gegeben, sein Eigentum zu sichern.

DJ Jaxson
DJ Jaxson

Doch Jaxson blickt nach vorn und beschwört den nie sterbenden Geist der Klubkultur: „Dadurch das wir immer noch in Anführungsstrichen alles besitzen von Anlage über Licht bis hin zum DJ-Stuff, werden wir sicherlich nochmal in die Richtung angreifen, weil die Idee an sich ja nicht von dem Herrn Berggruen zerstört werden kann, sondern der kann immer nur unsere Bretterbuden zerschlagen und  mit seinen Geldpanzern kommen. Aber im Endeffekt kriegt er die Idee nicht tot und das ist das Entscheidende. Und deswegen werden wir am Ende immer die sein, die sicherlich mit ein bisschen Materialverlust an anderer Stelle wieder auftauchen, aber wir tauchen immer wieder auf“, so Jaxson gegenüber pure fm.

Heute, am Montag den 09.11.2015, konnte man beobachten, wie ein Bagger Aufbauten auf dem Gelände, die zu Iwwiiländ gehörten, mutwillig zerstörte und in einem Holzhaufen verwandelte. Jaxson erklärte, man habe ihm keine Gelegenheit gegeben, sein Eigentum zu sichern. Er erwägt mittlerweile sogar strafrechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen der Zerstörung, da er sich nicht vorstellen kann, dass diese Räumung auf Grundlage der rechtlichen Bestimmungen vollzogen wurde. Wir berichten weiter!

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