Clubfilmnächte an 7 Tagen in 7 Klubs

Berlin rückt durch die Konferenz „Stadt nach 8“ in den nächsten Tagen als international geprägte Klub-Metropole wieder in den Mittelpunkt. Zum zweiten Mal finden in Berlin die „Clubfilmnächte“ statt. An 7 Tagen werden in 7 Klubs eine Woche lang große und kleine Klubgeschichte(n) erzählt. Geschichten aus dem Hier und Jetzt und Gestern, Zeitreisen und Zustandsbeschreibungen aus Berlin, New York und Rio und gern auch mal über alle Grenzen hinweg. Was machen Klubs aus, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben? Waren Klubs früher kreativere Orte? Ist der Glaube an eine gemeinschaftliche Feierkultur heutzutage nur noch naiv oder eine wieder notwendige Utopie? Warum stehen in den Klubs eigentlich immer noch so wenig Frauen hinterm DJPult? Die Präsenz von Frauen in der elektronischen Musik ist das Thema des großartigen Eröffnungsfilm RAW CHICKS.BERLIN (Kitkat, 6.11.), in dem 11 Musikproduzentinnen porträtiert werden, die gerade wegen des weltoffenen Klublebens Berlins hierher gekommen sind und sich mit einer längst überholt geglaubten Männerdominanz in der Szene auseinander setzen müssen. Dass Frauen in der Klubkultur trotzdem immer mehr zu Macherinnen werden ist auch ein Verdienst von Partyreihen wie „Raw Chicks“, die den Film inspiriert haben.

Grenzen in Frage zu stellen und zu überschreiten ist auch der Ausgangspunkt für den Abschlussfilm der Clubfilmnächte 2017, YOU ARE EVERYTHING (About:Blank, 12.11.), einen genreübergreifenden, dokumentarischen Spielfilm über die nationale und internationale Psytrance & Goa-Szene. Bei diesen Goa-Festivals geht ja gerne mal jegliches Zeitgefühl verloren, aber um das wiederzugewinnen, nehmen viele Filme im diesjährigen Programm das Publikum auf Zeitreisen der besonderen Art mit. Die gehen in das euphorische New York der 1970er und 80er-Jahre mit der damaligen House-und Discomusik auf ihrem ersten kreativen Höhepunkt wie in MAESTRO (Weekend, 11.11.) oder erinnern mit
GOODNIGHT BROOKLYN: THE STORY OF DEATH BY AUDIO und COWBOYS & COMMUNISTS (Kater, 10.11.) an Bastionen der Underground-Kultur wie das „Death By Audio“ in Brooklyn/New York und das ehemalige „White Trash Fast Food“ in der Torstraße in Mitte, Hommagen an Schmelztiegel gelebter Subkultur. Ein bisschen sentimental darf man da schon werden, auch bei den immer wieder schönen Ausflügen ins Westberlin der 1980er-Jahre, als Grenzen noch ‚Mauer im Rücken‘ hießen und direkt nebenan verliefen. Je nach Gemütslage bedeutete das große Apokalypse oder Lebenslust, im besten Fall beides, zu bewundern in DIE GROSSE UNTERGANGSSHOW – FESTIVAL GENIALER DILLETANTEN (Mensch Meier, 7.11.) und in NEONNÄCHTE WESTBERLIN (Ritter Butzke, 9.11.). Dass der herkömmliche Begriff von „Klub“ manchmal in einer Metropole gar nicht so eine große Bedeutung hat, zeigt hingegen eindrücklich FAVELA ON BLAST (Yaam, 8.11.). In Rio de Janeiro reicht es die Soundsysteme auf die Straße, öffentliche Plätze oder in leere Fabrikhallen zu stellen und die Party steigt.

7 Tage – 7 Klubs:

  • Montag, 06.11.: KitKat
  • Dienstag, 07.11.: Mensch Meier
  • Mittwoch, 08.11.: YAAM
  • Donnerstag, 09.11.: Ritter Butzke
  • Freitag, 10.11.: Kater Blau
  • Samstag, 11.11.: Weekend
  • Sonntag, 12.11.: ://about blank

Impressionen aus 2016:

 

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